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Zwölf Fragen an den Buchautor Hayo Werner

"Wir brauchen einen neuen Masterplan!"

1. Was war Ihre Motivation, einen Roman zu schreiben?
Ökonomische Ideen sollten über einen kleinen Expertenkreis hinaus von der breiten öffentlichkeit wahrgenommen und diskutiert werden – schließlich betreffen sie auch alle. Außerdem möchte ich erreichen, dass ökonomische Zusammenhänge besser verstanden werden. Diese beiden Ziele lassen sich aus meiner Sicht am besten in einem Roman verwirklichen.

2. Was sind die Kernthesen Ihres Buches?
"Winstons Masterplan" beschreibt ein neues Wirtschaftsmodell, das dynamisches Wachstum mit gesellschaftlichem Wohlstand in Einklang bringt. Der Staat würde der Gesellschaft z.B. einen wichtigen Dienst erweisen, wenn er Aktien wie Geld behandelt und für deren Werthaltigkeit sorgt. Damit ist der allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklung mehr gedient, als mit vielschichtigen sozialen Leistungen. Der Staat muss den Einstiegskurs für Aktien garantieren, um bei den Menschen das Vertrauen in den Börsenhandel zu stärken. Dann schlummert das Geld nicht mehr unproduktiv auf Konten, sondern fließt in Investitionen und wird produktiv. Die soziale Umverteilung wird durch eine produktive Umverteilung abgelöst, was neue Perspektiven eröffnet. Eine zweite These zeigt, dass sich die Ziele von Unternehmen, Gewerkschaften und dem Staat zum Vorteil der gesamten Gesellschaft harmonisieren lassen. Das ermöglicht ungeahnte konstruktive Entwicklungen, da viel Engagement freigesetzt wird, welches sich heute noch in völlig unproduktiven Grabenkämpfen entlädt. Eine dritte wichtige These fordert eine stärkere staatliche Verantwortung für die Infrastrukturen der Informationsgesellschaft. Informationen sind wichtige Produkte der Zukunft und der Staat muss sich um deren Monetarisierung bemühen. Damit können zusätzlich breite Einkommenseffekte erzielt werden.

3. An wen richtet sich Ihr Buch?
Das Buch adressiert Entscheider aus Politik und Wirtschaft. Darüber hinaus ist es geschrieben für alle Menschen, die mehr von ökonomischen Zusammenhängen verstehen wollen oder müssen. Jeder, der nach Alternativen in den anhaltenden Veränderungsprozessen sucht, sollte es lesen. Was das Buch besonders lesenswert macht: Die Hauptrolle spielt ein Politiker, wie viele Menschen ihn sich wünschen. Er ist am Wohl der Menschen orientiert und befreit sich aus den Verstrickungen seiner Position. Das wäre in der Realität ebenfalls eine wünschenswerte Entwicklung.

4. Welche Idee aus dem Buch lässt sich am schnellsten realisieren?
Ich beschreibe in "Winstons Masterplan" ein Modell, das über eine Modernisierung des Aktienmarktes breite Bevölkerungsschichten an der Ausschüttung von Unternehmensgewinnen beteiligt und somit eine konsumfördernde Verteilung der Ressourcen gewährleistet. Diese sogenannte "Produktive Wohlstandskomponente" ist von einer tragenden Dynamik und innerhalb sehr kurzer Zeit realisierbar.

5. Welches Ihrer Konzepte erfordert das größte Umdenken?
Trotz ihres enormen Potenzials kann die "Produktive Wohlstandskomponente" schnell missverstanden werden. Dieses Modell erfordert in der ökonomischen Diskussion einen Paradigmenwechsel, der jedoch angesichts der aktuellen Wirtschaftssituation dringend erforderlich ist.

6. Protagonist Winston plädiert dafür, dass der Staat Kleinanleger stärker schützen muss. Was sind die zentralen Vorteile eines Mindestschutzes?
Aus dem Mindestschutz der "Produktiven Wohlstandskomponente" für Kleinanleger ergeben sich neun Vorteile für Wirtschaft und Gesellschaft. Diese sind im Einzelnen: - Die Stabilisierung der Finanzmärkte und Verhinderung schrumpfender Marktentwicklungen - Produktives Sparen zur breiten Entwicklung des Wohlstands - Lebenswerte und motivierende Perspektive im Volk - Unbürokratische Umsetzung - Demokratisierung wirtschaftlicher Prozesse - Nutzung der Konzentrationsbestrebungen zum breiten und stabilen Aufbau gesellschaftlichen Wohlstands - Neue Perspektiven für Gewerkschaften, die Ausweg aus der ideologischen Sackgasse weisen - Fundierte Altersicherung für die "Babyboomer Generation" - Positiver Niederschlag der Potenziale der Globalisierung für die gesamte Gesellschaft.

7. Politische Entscheidungen sind häufig das Ergebnis parteipolitischen Kalküls und wahltaktischer überlegungen. Wie sollen Ihre Ideen in einem solchen Umfeld Gehör finden?
Hierin sehe ich eine große Herausforderung. Vielen Politikern fehlt eine fundierte ökonomische Kompetenz. Sie lassen sich von Lobbyisten und parteipolitischen Interessen beeinflussen, das Wohl der Allgemeinheit tritt in den Hintergrund. Das überzeugendste Argument für die "Produktive Wohlstandskomponente" ist, dass damit die Interessen von Staat, Wirtschaft und Gewerkschaften harmonisiert werden. Gerade deshalb hoffe ich darauf, dass die Ideen meines Protagonisten Winston zum Bestandteil der Zukunftsdiskussion werden. Ungenutzte gesellschaftliche Potenziale könnten mit der "Produktiven Wohlstandskomponente" genutzt werden – bevor es zu spät ist.

8. Welche Rolle wünschen Sie sich in Zukunft für die Gewerkschaften?
Die Gewerkschaften haben sich in eine aussichtslose Situation bewegt, da sie Arbeit und Einkommen verteilen wollen. Diese Faktoren entziehen sich jedoch mit zunehmender Geschwindigkeit ihrem Einfluss. Die Gewerkschaften müssen deshalb ihre Rolle fundamental überdenken. Vor allem die Verteilung des Produktivkapitals der Publikumsgesellschaften kann ein Schritt in die richtige Richtung sein, damit Gewerkschaften wieder ihren ursprünglichen Zweck erfüllen können. Darüber hinaus werden die Interessen des "Shareholder Value" zunehmend zum allgemeinen Interesse. Die "Produktive Wohlstandskomponente" bietet den Gewerkschaften eine reale Chance, den Fortbestand der eigenen Institution zu gewährleisten und dem nicht mehr nachvollziehbaren Klassenkampf abzuschwören. Mit dieser Perspektive wäre es den Gewerkschaften möglich, internationale Allianzen zu schmieden und ernstzunehmender Verhandlungspartner zu sein.

9. Um Bildungsinvestitionen zu fördern, schlagen Sie vor, das Einkommen der Kinder zur Berechnungsgrundlage der Rente zu machen. Werden Alterseinkünfte damit nicht zum Spielball von Zufällen?
Das Einkommen hängt nicht nur von Zufällen, sondern auch von Bildung ab. Für die Alterssicherung käme durch meinen Vorschlag ein bedeutender Faktor hinzu, nämlich die Menge der arbeitenden Nachkommen. Damit würden erstmals in der Geschichte kinderreiche Familien einen leistungsentsprechenden Gegenwert erhalten. Diese Menschen sichern die Zukunft des Landes, den Fortbestand der Nation. Das findet heute keinen geeigneten Gegenwert und setzt damit eine ungesunde Dynamik frei: Das Volk schrumpft – und damit auch die konsumierende Basis der Zukunft. Die Bildung des Nachwuchses lässt nach, denn die meisten Eltern müssen ihre Zeit auf die Erzielung des benötigten Einkommens für steigenden Unterhalt und Zukunftssicherung konzentrieren.

10. Sie nennen Ihre Idee absolut wirtschaftsliberal. Auf der anderen Seite fordern Sie einen Börsenführerschein, den jeder Aktionär erwerben muss. Freiheit auf der einen – staatliche Reglementierung auf der anderen Seite: Ist das kein Widerspruch?
Ein Börsenführerschein unterstützt den wirtschaftsliberalen Ansatz, da er die Eigenständigkeit und Unabhängigkeit jedes einzelnen Anlegers stärkt. Die "Produktive Wohlstandskomponente" erleichtert das Verständnis für das Börsengeschehen und ermöglicht damit den Abschluss eines Börsenführerscheins in kurzer Zeit. Ein Börsenführerschein ist in jedem Fall erforderlich: Es sollte schließlich auch niemand ein Auto lenken, ohne einen Führerschein zu besitzen. Es geht um ein Mindestmaß an Regelverständnis.

11. Das "Informationspatent" soll Urheberrechte an Medieninhalten schützen. Läuft das nicht gegen den Geist des Zeitalters der multimedialen Vernetzung, das auch sozial Benachteiligten den schnellen Zugriff auf Informationen ermöglicht?
Keineswegs. Öffentlich finanzierte Informationen sollten kostenlos zur Verfügung stehen, während privat erarbeitete Informationen den Lizenzbestimmungen des Anbieters unterliegen sollten. Das ist heute nur selten der Fall. öffentliche Angestellte, wie zum Beispiel einige Professoren, produzieren Informationen und verkaufen diese dann in Form von Büchern und Vorträgen – oder gründen mit diesem öffentlich finanzierten Know-how eigene Institute und Unternehmen, bevor die Ergebnisse anderweitig verwertet werden können. Hierin sehe ich einen Mechanismus, der gegen die breite öffentlichkeit läuft. Auf Kosten der Allgemeinheit wurden Erkenntnisse entwickelt, die der öffentlichkeit nicht frei zugänglich sind. Private Informationsprodukte werden unterdessen einfach kopiert und damit kostenfrei weitergereicht – oder schlicht dem Urheber gestohlen.

12. Wie sollen die Ideen finanziert werden?
Die Idee trägt sich im Prinzip von alleine, da die Absicherung der Aktienwerte zum Einstiegskurs bereits ein Wertsicherungsinstrument darstellt. Kleinanleger geraten nicht mehr unter Verkaufsdruck und der Sicherungsfall als solcher mit dem daraus resultierenden finanziellen Aufwand für den Staat wird sehr unwahrscheinlich. Zum anderen müssen die bereits heute fälligen staatlichen Leistungen berücksichtigt werden, wenn Aktienanlagen mit Verlust verkauft werden. Die Steuererstattungen, mögliche soziale Unterstützungsleistungen und andere Aufwendungen führen zu enormen Kosten, die mit einer funktionierenden "Produktiven Wohlstandskomponente" eher reduziert werden, als dass sie steigen. Die Aktionäre erhalten schließlich Einkommen aus Gewinnen. Der Aspekt, dass Kleinanleger zum Kauf motiviert werden, lässt zusätzlich eine steigende Dynamik auf dem Aktienmarkt erwarten, die sich auf alle anderen Märkte übertragen wird.

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