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Interview
Kommunauten als
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Was
ist die Kernidee Ihres Buches?
Die Kernidee ist, dass wir die Gewinne der multinationalen
Unternehmen auf die Konten der Bürger transferieren müssen.
Aus einem ganz einfachen Grund: wir haben steigende Gewinne
und ein Gewinnverteilungsproblem vor allem in Deutschland,
aber auch über Deutschland hinaus. Damit gerät unser Wirtschaftssystem
ins wanken, da dem Gesamtmarkt viel Geld entzogen wird. Winston,
ein mächtiger Politiker, stellt eine Idee vor, mit der dieses
Problem gelöst werden kann.
Wer
soll das Buch lesen?
Jeder, der an der wirtschaftlichen Zukunft und an der Entwicklung
der Volkswirtschaft interessiert ist. Wir alle sind ja mit
der Wirtschaft verwoben und haben Vor- oder Nachteile durch
die Gesamtentwicklung. Im Buch werden auch wesentliche Grundlagen
der täglichen Diskussionen erläutert. Jeder der sich dafür
interessiert, wie man die Probleme lösen kann oder wie neue
Impulse in den Markt gebracht werden können, kann mit dem
Buch etwas anfangen.
Winstons
große Schlagworte sind "Produktive Wohlstandskomponente"
und "Informationspatent". Der produzierende Teil der Gesellschaft
soll gestärkt werden, egal, ob er Waren oder Informationsinhalte
schafft. Warum?
Wir sind eine Informationsgesellschaft, die sich maßgeblich
von der Industriegesellschaft unterscheidet. Die Produkte,
die heute entwickelt werden, stellen unterm Strich einfach
nicht diese greifbare Wertstellung dar, die wir von früher
gewohnt sind. Eine Datei auf einer CD wird einfach anders
wahrgenommen, als ein Auto. Dennoch haben sich auch für dieses
Produkt Menschen tage-, wochen- oder jahrelang hingesetzt,
um es zu schaffen. Die Volkswirtschaft kann sich nicht entwickeln,
wenn diese Produkte nicht bezahlt werden. Das sind die Überlegungen,
die mich auf das "Informationspatent" gebracht haben. Das
Informationspatent ist eine Infrastruktur über die verfügbare
Information mit deren Lizenzbedingungen. Die "Produktive Wohlstandskomponente"
ist die Kernidee des Buches. Heute reden wir viel über Geld,
Besitz und Sparen. Sparen ist wichtig, um den Lebensabend
zu finanzieren. Das Problem ist jedoch, dass das gesparte
Geld dem Geldkreislauf entzogen und damit unproduktiv wird.
Es erwirtschaftet Zinsen, diese Zinsen sind aber meist gering.
Sinnvoller ist es, aus Sparern Anleger zu machen. Sie wären
direkt an den Unternehmensgewinnen beteiligt, es würde eine
breitere Verteilung des Vermögens stattfinden. Um die Schwellenangst
vor dieser Umstellung zu nehmen, sollte der Staat den Neu-Aktionären
ihren Einstiegskurs garantieren. Für die Abwicklung würde
die Steuererklärung genutzt, ganz einfach und unbürokratisch
Aktien "beilegen", Geld zurück. Der Vorgang ist vergleichbar
mit dem historischen Schritt vom privaten Geldhorten zum bankorganisiertem
Geldsparen.
Winston,
der Protagonist Ihres Romans, hat die von Ihnen beschriebenen
Ideen eine ganze Weile in seinem Kopf bewegt. Nun will er
sie plötzlich umsetzen. Warum?
Er traut sich endlich. Winston war lange zaghaft und hat sich
auf seine "Expertenteams" berufen. Er stellt aber fest, dass
er damit nicht weiterkommt. Er ändert sein Verhalten maßgeblich,
weil er am Ende nicht so dastehen möchte, als hätte er nichts
bewegt, nur weil seine Berater ihm keine besseren Vorschläge
geliefert haben schließlich hat er eigene Ideen und die
Möglichkeiten deren Umsetzung voranzutreiben. Ich möchte Mut
machen, neue Ideen zu verwirklichen, das ist im Informationszeitalter
doch Tagesgeschäft. Je breiter das geschieht, desto mehr wird
es zu den nötigen Veränderungen in der Gesellschaft kommen.
Wir dürfen uns nicht länger nur an unser altes Wissen klammern
wir müssen es weiterentwickeln.
Heutzutage
ist ja ein großes Hemmnis, dass das Gros der Menschen Angst
vor Veränderungen hat, weil es die Folgen nicht abschätzen
kann und die Zuständigen die nötigen Reformen nicht wagen,
weil sie vom Wohlwollen der "Massen" abhängig sind. Wie soll
in diesem eigentlich negativen Klima eine so gravierende Veränderung
umsetzbar sein?
Ich höre regelmäßig, dass die Bereitschaft zur Veränderung
nicht vorhanden sei ich erlebe das aber völlig anders: ich
nehme eher eine große Bereitschaft zur Veränderung wahr. Ich
sehe aber auch, dass die Menschen resignieren und Angst haben
- und zwar berechtigte Angst. Denn solange Veränderung gleich
bedeutend ist mit umfassendem wirtschaftlichem Abbau, stehen
wir vor großen Problemen. Die breite Masse hat ein gesundes
Gefühl für diese Dinge und erkennt die Gefahren, das sollte
man nicht ignorieren. Was müssen wir also wie verändern? Wir
können niemals mit einem Produzenten in Asien konkurrieren,
wenn es um die Kosten geht. So weit können wir unseren Wohlstand
in den kommenden Jahren gar nicht reduzieren, dass wir mit
diesen Produktionskosten mithalten könnten. Produkte aus Asien
sind billiger und die Qualität ist mittlerweile hoch. Heute
hat ein Volkswagen oder Mercedes Elektronik-Probleme, während
ein Toyota läuft und läuft. Ein positiver Impuls wäre, dass
wir wieder auf Zuverlässigkeit und Qualität bauen. Wenn die
Autos dann auch noch am besten aussehen, haben wir gewonnen.
Die Fehler dieser Autos entstehen in der Regel nicht in der
Produktion, es werden nicht ausgereifte Produkte in den Markt
gedrückt. Dennoch muss meist das Gros der Belegschaft die
Zeche zahlen, Lohnstop, Arbeitsplatzabbau etc. sind hier die
Schlagworte. Das Klima, dass dadurch in der gesamten Volkswirtschaft
entsteht ist verheerend. Über die "Produktive Wohlstandskomponente"
würden die Mitarbeiter nicht nur wie bislang in schlechten
Zeiten in die Pflicht genommen, sie wären auch direkt am Erfolg
beteiligt. Bislang müssen sie dafür immer auf die Tarifverhandlung
warten so kann es nicht weitergehen. Der "Shareholder Value"
muss zum "Nation Value" werden, in dem er breit verteilt wird.
Wenn
eine Idee von der Politik in den Ring geworfen wird, erleben
wir umgehend die Auftritte der Bedenken- und Interessenträger.
Wie ist es Ihrer Meinung nach zu schaffen, dass nicht jeder
Lobbyist reflexartig seinen kleinen Claim verteidigt, sondern
innehält und mit Winston über das große Ganze nachdenkt?
Das besonders interessante an der "Produktiven Wohlstandskomponente"
ist, dass sie für alle Beteiligten von Vorteil sein wird.
Wenn ich bei meinen Überprüfungen nichts übersehen habe, profitieren
alle Gesellschaftsschichten. Ich habe es im ersten Moment
aus ideologischen Gründen selbst für abwegig gehalten, die
Aktienkurse zu garantieren. Nach sorgfältiger Abwägung, halte
ich die "Produktive Wohlstandskomponente" für vernünftig und
umsetzbar. Wenn mein Vorschlag gut begründet verworfen wird,
weil ich etwas übersehen habe, sehe ich das jedoch bereits
als positiven Effekt. Hauptsache, wir ermöglichen uns eine
Diskussion positiver Vorschläge!
Was
kann denn die Innovationsbremse aus Anpassungsdruck, Zögerlichkeit
und engem Fokus auf die eigenen Interessen aufbrechen wo
kann man Platz für Visionen wie Winstons schaffen?
In der Zeit der New Economy war ein Interessenlobbyismus in
dieser Breite kaum spürbar. Alle haben darauf geachtet, dass
sie sich am Markt für die Zukunft richtig positionieren. Das
war volkswirtschaftlich betrachtet gesünder. Es geht dabei
übrigens auch um einen mündigen Bürger und Konsumenten, der
aufgrund transparenter Preisgestaltung seine Entscheidungen
fundiert im Eigeninteresse treffen kann. Davor steht aber
ein Lernprozess, in dem der Verbraucher begreifen lernt, dass
es auf ihn ankommt, wenn die Wirtschaft bewegt werden soll.
Da wird noch einige Zeit ins Land gehen, bis das Realität
ist. Die Wirtschaft wird sich darauf einstellen müssen, dass
der Kunde sich nicht mehr an der Nase herumführen lassen wird.
Beispiel Opel: Opel hat früher tatsächlich schlechte Produkte
geliefert, das haben die Kunden nicht vergessen, das beeinflusst
die Kaufentscheidungen bis heute. Wir können uns am Markt
umschauen, wer heute die qualitativ schlechteren Produkte
baut, ist der Verlierer von morgen und übermorgen.
Plädieren
Sie für einen Wirtschaftspatriotismus sowohl auf Produzenten-
als auch auf Konsumentenseite? Auf Schwedens Straßen sieht
man fast nur Volvos fahren. Wünschen Sie sich so etwas auch
für Deutschland?
Patriotismus ist an dieser Stelle nicht das richtige Wort
und in Deutschland aufgrund der Geschichte enorm aufgeladen.
Darum würde ich es gern etwas "kleiner" halten. Es geht darum,
dass (auch) der Deutsche einen guten Grund braucht, deutsche
Produkte zu kaufen. Sie müssen mindestens gleichwertig im
Preis-Leistungs-Verhältnis abschneiden wie andere Produkte.
Ich kaufe gerne einen Audi, wenn er genauso gut und im Preis
mit einem Toyota vergleichbar ist. Wenn ich aber feststelle,
dass der Toyota günstiger ist und außerdem in der Pannenstatistik
den Spitzenplatz belegt, dann weiß ich nicht, weshalb ich
nur für das Image aus der Audi-Werbung mehr bezahlen soll.
Es macht allerdings viel Sinn, genau die Produkte der Unternehmen
zu kaufen, von denen ich Aktien besitze, eine vergleichbar
gute Qualität vorausgesetzt. Das entspricht einem Teil der
"Produktiven Wohlstandskomponente". Am Ende partizipiere ich
als Aktionär vom Gewinn des Unternehmens. Wenn die Produkte
Mängel aufweisen, kann ich das als Aktionär auf der nächsten
Hauptversammlung vortragen. Das ist die schönste und einfachste
Form des Geldkreislaufs, wenn das Geld in die eigene Tasche
zurückwandert und man sich außerdem alles Gewünschte kaufen
konnte. Diesen wirtschaftlich geprägten Eigennutz würde ich
lieber an die Stelle des Themas Patriotismus setzen.
Neben
die allgemeine Unsicherheit tritt derzeit auch ein mangelnder
finanzieller Spielraum, so dass anstelle durchgreifender Reformen
eher das Bekämpfen einzelner Symptome zu beobachten ist.
Herr Eichel weiß bestimmt, dass er ein gigantisches Problem
hat und wird nachts vermutlich auch schlecht schlafen. Er
tut mir wirklich leid. Einige der schädlichen Regelungen seines
Vorgängers Lafontaine sind bis heute nicht aufgehoben. Dabei
müssten die politischen Akteure eigentlich erkennen können,
welche Marktdynamik sie lostreten, wenn sie hier entsprechende
Maßnahmen ergreifen würden. Der Ansatz, Subventionen abzubauen,
ist der richtige. Wichtig ist jedoch, dass die volkswirtschaftliche
Leistungsfähigkeit erhalten bleibt und ausgerechnet hier
fehlen Ideen. Das verwundert mich aber nicht, weil die Politik
so viele Baustellen hat und die Akteure unter erheblichen
Druck stehen. Da bleibt kein Raum für kreative Gedanken.
Wer
hat denn heute den Einfluss, die Dinge von Grund auf zu ändern,
der Staat oder die Wirtschaft? Und wer sollte sie aus Ihrer
Sicht haben? Und wenn der Einfluss der Wirtschaft sehr groß
ist wie gewinnt man sie für Winstons Idee?
Die Wirtschaft hat keinen Einfluss, die Wirtschaft produziert
Produkte, setzt sie ab und handelt so, dass sie ihren Gewinn
maximiert. Das ist eine ganz einfache Regel, der Lobbyismus
ist nur dazu da, diese Maximierung zu unterstützen. Die Wirtschaft
erhält nur einen wahrnehmbaren Einfluss, indem sie der Öffentlichkeit
die Entscheidungsspielräume verdeutlicht. Sicherlich nutzt
die Wirtschaft mitunter ihre Mittel, um sich an offiziellen
Regelungen vorbei Vorteile zu verschaffen. Und richtig ist
auch, dass Unternehmen aufgrund hemmender Bestimmungen ihre
Produktion ins Ausland verlagern, so sie denn dort Arbeitskräfte
vorfinden. Es liegt beim Verbraucher, darauf Einfluss zu nehmen.
Der Kunde hat die Möglichkeit bei einer Verlagerung der Produktion
ins Ausland zu entscheiden, die Produkte des betreffenden
Unternehmens nicht mehr zu kaufen, weil die Last der Auslagerung
die gesamte Volkswirtschaft trifft. Das würde ein Unternehmen
innerhalb eines Quartals merken. So gesehen bestätigt der
Konsument die Entscheidungen der Wirtschaftsakteure. Ich stelle
heute vor allem fest, dass den Verbraucher diese Entwicklungen
nur am Rande interessieren. Es besteht ausschließlich ein
Interesse am geeigneten Produkt. Das nimmt die Wirtschaft
zur Kenntnis und handelt entsprechend.
Winstons
Ansatz stärkt die Eigenverantwortung des Einzelnen. Dazu ist
neben Wissen auch Vertrauen in die Fähigkeiten derer, auf
die ich baue, nötig. Wurde dieses Vertrauen in der Aktienwelt
während des Internet-Hypes nicht auf lange Sicht verspielt?
Während der Phase des Internet-Hypes galten eigentlich ganz
normale Angebots- und Nachfrage-Marktmechanismen, nur haben
die Investoren schneller als sonst ihr Geld wieder aus dem
Markt herausgenommen. Wenn nun Kleinanleger ohne Verkaufsdruck
die Dominanz am Markt haben, wird sich der Markt dadurch auch
stabiler entwickeln. Wenn eine Aktie nicht hektisch gehandelt
wird, sind die nervösen Ausschläge nicht mehr möglich. Ein
großes Problem ist aus meiner Sicht das Verleihen von Aktien
zur Erzielung von Spekulationsgewinnen. Dabei werden die Kurse
von Unternehmen geradezu zerstört. So etwas darf nicht passieren!
Winstons
Idee setzt eine weltweite Umsetzung voraus. Stehen dem nicht
aktuell Regionalisierungstendenzen von Globalisierungsgegnern
entgegen?
Eine weltweite Umsetzung ist keine zwingende Voraussetzung.
Ich würde jedoch eine derartige Dynamik der Wertsteigerung
in den einführenden Ländern erwarten, dass andere Staaten
im Interesse des wirtschaftlichen Gleichgewichts gut daran
täten, den Ansatz zu übernehmen. Andernfalls wäre es sogar
denkbar, dass die erstarkten Staaten die relevanten Wirtschaftsakteure
anderer Länder quasi aufkaufen könnten. Meiner Meinung nach
könnten gerade die Globalisierungsgegner von Winstons Idee
begeistert sein, weil vor allem die heimische Wirtschaft gestärkt
und ein regionaler Impuls gesetzt wird. Dieser Impuls kann
sich zusätzlich überregional auswirken aber der Fokus liegt
woanders.
Wo
steht Winstons Idee politisch?
Sie ist eine absolut wirtschaftsliberale Idee. Für den einen
oder anderen mag sie sozial angehaucht wirken, weil sie eine
breite Verteilung von Gewinnen anstrebt. Sie ist aber hochliberal,
weil sie die Situation des Einzelnen stärkt und zwar ohne
eine Umlage. Jeder trifft seine Entscheidung selbst und kann
seine Entwicklung eigenverantwortlich mitbestimmen.
Vielen
Menschen geht es heute wirtschaftlich besser als den Vorgängergenerationen,
dennoch herrscht eine lähmende Grundstimmung. Verspielt die
Gesellschaft mit dieser Angst nicht den heutigen Wohlstand?
Konsumzurückhaltung schwächt unseren Wohlstand, das stimmt.
Aber die entscheidende Frage ist doch, warum nicht konsumiert
wird. Viele Menschen haben zum einen gar kein Geld zum konsumieren,
weil sie zunächst ihre Darlehen zurückbezahlen müssen oder
schlicht ein geringeres Einkommen haben. Zum anderen gibt
es Menschen, die soviel Geld haben, dass sie es gar nicht
mehr ausgeben können, es stapelt sich gewissermaßen. Eine
dritte Erklärung ist die Angst vor der Zukunft, man bildet
Rücklagen um künftig versorgt zu sein. Das ist ein Ergebnis
der negativen Stimmung beim Thema Rentenversorgung und dem
enormen Vertrauensverlust, der in Deutschland erzeugt wurde.
Die Rücklagen werden aber durch Liegen nicht besser, weil
das Geld, das sie gespart haben, entwertet wird. Diese Erkenntnis
führt mitunter dazu, dass die Menschen noch mehr sparen. Das
bedeutet noch weniger Konsum zum jetzigen Zeitpunkt. Übrigens
ist ein entsprechender Effekt durch die zunehmenden Versteigerungen
über Online-Auktionshäuser wie eBay zu beobachten quasi
ein Zweitvertrieb von Waren. Über die Versteigerung von Produkten
wird den Herstellern zunehmend die Möglichkeit genommen, neue
Produkte abzusetzen, weil die Kunden über die Auktionen weniger
bezahlen. Das schwächt die Binnennachfrage zusätzlich, veranschaulicht
aber gleichzeitig, dass durchaus Konsuminteresse besteht.
Paradox ist ja auch das Verhalten von Unternehmen, in Zeiten
wirtschaftlicher Flaute eine mangelhafte Binnennachfrage zu
beklagen, gleichzeitig im eigenen Bereich aber nur von Kostensenkungen,
geringer Einkommenssteigerung oder sogar von Stellenabbau
zu sprechen. Woher führt dieser Reflex der Unternehmen, ausgerechnet
das zu verstärken, was sie selbst in Schwierigkeiten gebracht
hat und bringen wird?
Jedes Unternehmen handelt vor einem individuellen betriebswirtschaftlichen
Hintergrund, das heißt, dass Unternehmen die volkswirtschaftliche
Lage in erster Linie total egal ist. Global Player mit ihren
strategischen Abteilungen bilden da eine Ausnahme, aber ein
durchschnittliches Unternehmen kümmert sich nun mal zuvorderst
darum, auch in Zukunft Gewinne zu erwirtschaften. Auf den
ersten Blick macht die Rechnung "Kostensenkung gleich Gewinnmaximierung"
Sinn und ist auch völlig legitim. Hier sollten sich alle Beteiligten
an einen Tisch setzen und zu vernünftigen Lösungen kommen.
Aus meiner Sicht sind die aktuellen Diskussionen immer noch
starr und wenig kreativ. Gewerkschaften müssen in Zukunft
die individuelle Situation von Betrieben stärker berücksichtigen
und in dynamischen Einkommensanteilen denken. Enge Rahmenbedingungen
zu schnüren, die vielen die Luft zum (über-)leben nehmen,
führt in letzter Konsequenz dazu, dass Unternehmer sich ganz
aus dem Tarifrahmen verabschieden, um zu überleben. Das kann
nicht im Interesse der Gewerkschaften und ihrer Mitglieder
sein. Es ist letztlich aber Folge der praktizierten "Interessenvertretung".
Hier muss mehr Individualität erreicht werden. Mit den Globalisierungsgegnern
bin ich in einem Punkt einer Meinung: Wir müssen auf die Stärken
und Problemlagen unserer eigenen Wirtschaft konkreter eingehen.
Auf der anderen Seite darf das nicht dazu führen, dass der
Blick nach außen verloren geht. Länder dürfen sich im Kampf
um die Arbeitsplätze nicht gegeneinander ausspielen lassen
das trifft am Ende immer die Allgemeinheit. Wenn Gewerkschaften
es nicht schaffen, sich gegen die betriebswirtschaftlich richtige
Taktik von multinationalen Konzernen wirksam aufzustellen,
werden sie in Zukunft keine Rolle mehr spielen. Das wird ein
großer Spagat für die Gewerkschaften: die Aktivitäten im Inland
stärker regionalisieren, sich gleichzeitig international aufstellen
und Partner im Ausland suchen zu müssen. Die Arbeitsplatzverlagerung
hat ja noch nicht ihre Grenzen erreicht. Nicht nur Produktion
kann abgezogen werden die Nachrichtenagentur Reuters hat
ihren Wirtschaftsdienst nach Indien verlegt. Das Ende der
Fahnenstange ist noch lange nicht in Sicht. Eines muss den
heutigen Gewinnern einer solchen globalen Unternehmenspolitik
allerdings klar sein: Sie sind unter Umständen die Verlierer
von morgen. Erst verlagern sie die Arbeitsplätze, dann reduziert
sich der heimische Markt und am Ende macht es für die Unternehmen
gar keinen Sinn mehr in einem Land zu sein, in dem außer der
Konzernzentrale keine Aktivitäten mehr stattfinden. Im Ergebnis
können aber alle Ziele mit der "Produktiven Wohlstandskomponente"
vereint werden. Die Gewinnmaximierung des Unternehmens als
"Shareholder Value", die Mitarbeitereinkommen und die Konsumfähigkeit
würden sich nicht mehr wiedersprechen sondern einen "Nation
Value" entwickeln, mit dem alle an einem Strang ziehen.
Interview:
Andrea Hansen, www.kommunauten.de
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